Fachkonferenz

Praxisorientierte Ernährungs- und Verbraucherbildung im Schulalltag

»Ernährung« ist in aller Munde: Als Schnittstelle wichtiger Handlungsfelder der Zukunft – Landwirtschaft, Konsum, Lebensstile, Klimawandel und soziale Gerechtigkeit – stellt das Thema einen der wichtigsten Pfeiler im Konzept der UN-Kampagne »Bildung für nachhaltige Entwicklung« dar. Auch an den Schulen haben Ernährungs- und Verbraucherbildung in den letzten Jahren entscheidend an Bedeutung gewonnen.

Verzehrbereite und gut verpackte Produkte verraten auf den ersten Blick nichts über ihren komplizierten Weg vom Stall und Acker über die industrielle Verarbeitung und den oftmals weltweiten Handel in die heimische Küche. Es verwundert nicht, dass viele Kinder und Jugendliche nicht ahnen, welcher Zusammenhang zwischen den Fleischstückchen im Burger und dem grasenden Rind auf der Weide besteht. Auch die Erkenntnis, dass ihr Konsumverhalten womöglich einen negativen Einfluss auf das ökologische Gleichgewicht hat und zu sozialer Ungerechtigkeit führen kann, ist für viele Kinder und Jugendliche nicht naheliegend. Hier setzt das Projekt »ERNA – Praxisbausteine Ernährung und Nachhaltigkeit« an. Durch die praxisorientierte Vermittlung systematischer Kompetenzen werden Schülerinnen und Schüler im Beziehungsgefüge Gesundheit, Umwelt, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik handlungs- und zukunftsfähig gemacht.

Gemeinsam sollen im Rahmen der Fachkonferenz Strategien zur Einbindung und Verstetigung der Themen Ernährung und Nachhaltigkeit in den Schulalltag und in das Leitbild der Schulen erörtert werden. Angesprochen sind Lehrerinnen und Lehrer sowie Multiplikatoren der schulischen und außerschulischen Bildung, die gelungene Praxisbeispiele aus dem Bereich einer Bildung für nachhaltige Entwicklung kennenlernen und umsetzen möchten.

Impulsreferat: Essen und Ernährung als Teil der alltäglichen Schulkultur

Prof. Dr. Marc Schulz, Technische Hochschule Köln, Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften

19 Folien

World Café – Thementische

Thementisch 11. Ernährungs- und Verbraucherbildung im Lehrplan?! – Möglichkeiten der Implementierung von BNE im Setting Schule
Birgit Jansen-Zimmermann, Hildegard-von-Bingen Gymnasium
Verena Gies, Abtei-Gymnasium Brauweiler

  • Grundschule »lebt« eher »gesund Ernährung« z.B. im Sachunterricht
  • Fach Ernährungslehre »Ernährungsführerschein«
  • ab 01.08.2017: Verbraucherbildung an Schulen als Pflichtfach
  • in vielen Fächern ist das Thema Ernährung fest im Lehrplan enthalten
  • Mensavereine: könnten Ernährung und nachhaltige Entwicklung ebenso in das Schulleben befördern
  • Einbeziehung der Schulküchen/Schulkioske (Auswahl von bestimmten Produkten, Regionalität, Saisonalität, Klimaeffizienz, Partizipation ...) in das Thema Ernährung und nachhaltige Entwicklung
  • Verknüpfungspunkte suchen, fächerübergreifendes Arbeiten
  • das Lehrerkollegium ins Boot holen
  • Stolperstein: Zeitproblem für praxisorientierte Unterrichtseinheiten zum Thema Ernährung und nachhaltige Entwicklung
  • Wertschätzung der Thematik Ernährung und Nachhaltigkeit innerhalb der Schule im Vergleich zu den klassischen Fächern
  • Geringer Stellenwert des Faches Hauswirtschaft/Ernährungslehre im Schulalltag
  • Wertschätzung und Unterstützung sollten durch Schulleitungen erfolgen
  • Problem Übergang Gymnasium: Wo bleibt Ernährungsbildung?
  • keine schulweite Ernährungsbildung und damit verbundene Nachhaltigkeit
  • Organisatorische Rahmenbedingungen müssen gegeben sein (alle Schulen betreffend)
  • Räumlichkeiten sollten für die Umsetzung des Themas Ernährung gegeben sein
  • Keine Zeit für Mahlzeiten
  • Widerspruch zur gesunden Ernährung
  • es sollten mehr außerschulische Lernorte einbezogen werden

Thementisch 22. Praxisorientiertes Lernen: Außerschulische Partner und Lernorte als Impulsgeber für Schulen
Peter Zens, Erlebnisbauernhof Gertrudenhof, Hürth
Anka Dawid, Kulturwissenschaftlerin, Düsseldorf

  • Defizite im Wissen um die Thematik Ernährung und Nachhaltigkeit (Familie, Pädagogen)
  • Anforderung und Ansprüche an Schule
  • Zeit schaffen – auch um Angebote vor- und nachzubereiten
  • Kosten für Anfahrten im Blick haben
  • Schulen und Kitas aufsuchen
  • Plattform schaffen, um Austausche der Akteure zu befördern
  • Lehrplanbezug verstetigen
  • Verzahnung Schulalltag/OGS
  • Schule muss offen für außerschulische Lernorte sein
  • Kontakte sollten auch auf Nachhaltigkeit ausgelegt werden (Kontrollinstanzen in Schule?)
  • Regelmäßigkeit sorgt für Verstetigung der Aktionen im Setting Schule
  • Experten in Schule holen
  • Erleben und Begreifen von Themeninhalten durch außerschulische Lernorte
  • Nutzung von außerschulischen Partnern ausschließlich als »Freizeit- Angebot« – Imagewechsel!
  • Unterstützung von praktischem und handlungsorientiertem Vorgehen
  • Schaffen von anderen Formen des Lernens
  • »Aha«-Effekte erzielen – Selbstwertgefühle stärken
  • Schulung von Kernkompetenzen
  • Haltungsänderungen hervorbringen und Spaß bei den Kindern zu Themen der Ernährung und nachhaltigen Entwicklung fördern
  • Heterogenität der Schüler/-innen einbeziehen
  • Allround-Kompetenzen der Schüler/-innen als »Endprodukt«
Thementisch 3
Thementisch 3

3. Schulverpflegung heute – ein Paradigmenwechsel?!
Gelebte Nachhaltigkeit – Lehr- und Lernfeld für nachhaltige Bildung!?
Kirstin Gembalies-Wrobel, Nadine User, Verbraucherzentrale NRW, Bereich Ernährung und Umwelt, Gruppe Lebensmittel und Ernährung, Vernetzungsstelle Schulverpflegung 

  • Wertschätzung
    • Vom Acker zum Teller
    • Wertschätzung des Lebensmittel
    • Trennung Essbereich/Mensa
    • Prioritäten
    • saisonal und regional
    • Verständnis und Wertschätzung bei Eltern
  • Verbraucherbildung, Ernährungsbildung
    • Verbraucherbildung – Rahmenvorgaben
    • Qual-Lis
    • Ernährung im Lehrplan
    • EB mit anderen Fächern verknüpfen
    • Lebensmittel und ihre Herkunft kennenlernen
    • Lernzeiten
    • Emotionalisisierung
  • Nachhaltigkeit
    • Wissen in den persönlichen Bereich tragen
    • immer und in allen Fächern
    • Schulgarten als praktische Mathematik?
    • Paprika aus Spanien
    • Wildschwein aus Deutschland?
    • Bewusst essen!
  • Lebensmittelverschwendung
    • aus der Praxis (Box-to-go)
    • Wahrnehmungsschulung
    • Aufklärung
  • Speisen: Qualität – Zubereitung – Planung
    • schlechte Speisenqualität
    • Sammeln von guten, praktischen Erfahrungen
    • Bio-Lebensmittel
  • Rahmenbedingungen
    • informeller Rahmen
    • Hygienevorschriften
    • Finanzierungen
    • Ausstattung von Lehrküchen
    • Professionalisierung
    • Räumlichkeiten
    • 7.00-bis-17.00-Uhr-Schule!
    • Verzahnung Vor- und Nachmittag
    • langzeitiges Verstetigen
    • Schülerfirma
    • Partizipation/Einbeziehung der Schüler/-innen
    • Übernahme der rechtlichen Verantwortung
    • WPV: Ergänzungsstunden, Wirtschaftsunterricht Differenzierungsfach, LK
    • Schule und Elternhaus
    • Essen = Regeneration?
    • Zeitfaktor außerschulischer Partner
    • Ernährungsbildung beim Essen!
    • Puzzleteile werden zum Ganzen
    • Mitbestimmung – auch Lehrer/-innen

Thementisch 44. Räume schaffen für Neues?! Fortbildungen – Angebote und Potenziale passgenau entwickeln, Synergien und Austausch schaffen sowie schulübergreifende Projekte gemeinsam entwickeln.
Oder welche Lösungen brauchen Schulen?

Sabine Schulz-Brauckhoff, Inge Mettmann, Netzwerk e.V. – Soziale Dienste und Ökologische Bildung

  • Wünsche und Möglichkeiten
    • Zeit für Fortbildungen
    • zu wenig Fortbildung zum Thema Ernährung
    • gewünschte Fortbildungsthemen:
      • Alte Kulturtechniken
      • Einbindungsmöglichkeiten entsprechender Themen in den Unterricht (an welchen Fächern dockt das Thema an?)
      • Schülerfirmen, -kiosk, Schulgarten Vorstellung von außerschulischen Partnern z.B. im Rahmen einer Fortbildung oder Lehrerausflügen (Lehrer kennen zu wenige und die Handlungsmöglichkeiten vor Ort)
    • Schulinterne Fortbildungen
    • Fächer übergreifend öffnen/Verzahnung
    • Unterstützung durch die Schulleitung
    • Möglichkeiten geben Vorschriften (in der Schulküche) für Tätigkeiten mit Schülern »zu umgehen«
    • Schnuppertag für Schulklassen im Freilichtmuseum
    • Lehrer möchten Informationen über ernährungsrelevante Produktlinien in Fortbildungen erhalten und diese den Schülern im Unterricht weiter geben (»Aus der Erde auf den Teller«)
    • Verbraucherbildung bietet Module zu BNE an
    • Alle Lehrer »sitzen in einem Boot«
    • keine Einzelkämpfer
    • Bildungsbüros als Unterstützer
    • Kompetenzteams
    • Kontinuierliche Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern → Bereicherung des Unterrichts/Qualität!
    • Transparenz des Informationsflusses über die Arbeit
    • Leitbild Schule: Was und wohin will unsere Schule (Passgenaue Angebote)
    • Curriculare Einbindung
    • BNE Thema muss von unten aufgebaut werden – auf längere Sicht (Dauer)
    • Ergänzungs- bzw. Füllstunden als Möglichkeit zur Bearbeitung von BNE Themen
  • Probleme bzw. Hindernisse
    • Vorschriften in der Schulküche (z.B. Hygiene) → keine Möglichkeit für praxisorientierten Unterricht mit den Schülern, Erzieher dürfen nicht kochen
    • Ausstattung der Lehrküche und Verantwortlichkeit
    • In der OGS fehlt es an Zeit und Raum für entsprechende Themen (nur in den Ferien möglich)
    • Geldquellen
    • Akzeptanz und Konsens
    • Hauswirtschaft: Negativ-Image → Vorschlag: das Fach muss einen anderen Namen bekommen
    • Essen ist Nebensache
    • Gewichtung: → wenige Hauswirtschaftslehrer = schwieriger Stand
    • In Sek. 1 werden zu viele Aufgaben auf die Lehrer »aufgepackt«
    • Lehrerkollegium muss sich selber Unterstützung suchen (zusätzliche Belastung)
    • Die Lehrer fühlen sich als Einzelkämpfer in ihren Fächern, finden selten Mitstreiter aus anderen Fachbereichen mit gemeinsamen Handlungssträngen
    • Verzahnung: Schule – OGS
    • Unwissenheit über zukünftige Themengewichtung bzw. -schwerpunkte des Schuljahres